Osteopontin: Das fehlende Puzzleteil im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Übergewicht

⏱️ 11 Min. Lesezeit 📅 2026 📖 European journal of clinical investigation 👨‍🔬 Michelauz C, Montecucco F, Liberale L, Carbone F 🟡 Hohe Evidenz
📋 Studien-Steckbrief Review
nicht anwendbar
Dauer
2026
Jahr
B
Evidenz
🎯 PICO-Analyse
P
Population
Patienten mit Übergewicht und kardiometabolischen Erkrankungen aus verschiedenen klinischen und präklinischen Studien
I
Intervention
Narrative Literaturübersicht zu Osteopontin-Wirkungen in drei Bereichen: viszerales Fettgewebe, Arteriosklerose, Herzumbau
C
Vergleich
Vergleich verschiedener Studien zu Osteopontin-Mechanismen und klinischen Auswirkungen
O
Ergebnis
Zusammenhang zwischen Osteopontin und kardiovaskulären Erkrankungen über Fett-Herz-Achse
📰 Journal European journal of clinical investigation
👨‍🔬 Autoren Michelauz C, Montecucco F, Liberale L, Carbone F
🔬 Typ Review
💡 Ergebnis Osteopontin fungiert als zentraler Vermittler zwischen krankem Fettgewebe und Herzschäden über seneszenz-assoziierte Signalwege
🔬 Review

Osteopontin: Das fehlende Puzzleteil im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Übergewicht

European journal of clinical investigation (2026)

Trotz aller medizinischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte bleibt ein rätselhaftes Problem bestehen: Warum entwickeln manche übergewichtige Menschen schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, während andere mit ähnlichem Körpergewicht verschont bleiben? Eine neue umfassende Übersichtsarbeit im European Journal of Clinical Investigation bringt nun einen bisher übersehenen Akteur ins Spiel: das Protein Osteopontin. Dieses vielseitige Molekül könnte der Schlüssel zum Verständnis sein, warum das Risiko für Herzinfarkt und Herzinsuffizienz auch bei optimal behandelten Patienten erhöht bleibt.

Hintergrund und Kontext

Das sogenannte “residuale kardiovaskuläre Risiko” beschäftigt Mediziner seit Jahren. Gemeint ist damit das Restrisiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz, das auch nach optimaler Behandlung von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker bestehen bleibt. Besonders bei übergewichtigen Patienten ist dieses Phänomen ausgeprägt – doch nicht jeder Übergewichtige ist gleich gefährdet.

Die Wissenschaft hat längst erkannt, dass Übergewicht nicht gleich Übergewicht ist. Entscheidend ist nicht nur das Gesamtkörpergewicht, sondern vor allem die Verteilung und die Qualität des Fettgewebes. Dabei spielt das viszerale Fettgewebe – also das Bauchfett, das die inneren Organe umhüllt – eine besonders kritische Rolle. Wenn dieses Fettgewebe nicht mehr richtig funktioniert, ein Zustand den Experten als “Adiposopathie” oder “krankes Fettgewebe” bezeichnen, entstehen chronische Entzündungsprozesse, die das Herz-Kreislauf-System belasten.

In den letzten Jahren haben Forscher zunehmend die Rolle der Zellalterung, auch Seneszenz genannt, bei diesen Prozessen erkannt. Alternde Zellen im Fettgewebe produzieren eine Vielzahl von Entzündungsstoffen und anderen schädlichen Molekülen – das sogenannte “senescence-associated secretory phenotype” oder kurz SASP. Diese Substanzen wirken wie ein ständiges Alarmsignal im Körper und können weit entfernte Organe schädigen.

Hier kommt Osteopontin ins Spiel: ein Protein, das ursprünglich im Knochengewebe entdeckt wurde, aber inzwischen als wichtiger Botenstoff in verschiedenen Geweben identifiziert wurde. Es fungiert als eine Art “molekularer Dirigent”, der verschiedene Zelltypen aktiviert und Entzündungsprozesse orchestriert.

Die Studie im Detail

Die vorliegende Arbeit ist eine sogenannte narrative Übersichtsarbeit, in der die Autoren die verfügbare Literatur zu Osteopontin systematisch aufgearbeitet und in drei wichtigen Bereichen analysiert haben: der Biologie des viszeralen Fettgewebes, der Entstehung von Arteriosklerose und der Entwicklung von Herzmuskelveränderungen.

Die Forscher identifizierten Osteopontin als einen zentralen Akteur in allen drei Bereichen. Im viszeralen Fettgewebe ist Osteopontin bei übergewichtigen Menschen deutlich erhöht und trägt maßgeblich zum SASP-Signaling bei. Das bedeutet, dass es die Ausschüttung von Entzündungsstoffen durch alternde Fettzellen verstärkt und gleichzeitig die normale Funktion der Makrophagen stört – jener Immunzellen, die eigentlich für die Aufrechterhaltung der Gewebegesundheit zuständig sind.

Besonders aufschlussreich sind die Befunde zu den Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Klinische Studien zeigen konsistent, dass erhöhte Osteopontin-Spiegel im Blut mit einem gesteigerten Risiko für Gefäßentzündungen, instabile Arterienplaques und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall einhergehen. Die Korrelationen sind dabei nicht nur statistisch signifikant, sondern auch klinisch relevant: Patienten mit den höchsten Osteopontin-Werten hatten in mehreren Studien ein um 30-50% erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen.

Am Herzmuskel selbst wirkt Osteopontin als spezifischer Vermittler von Umbauprozessen. Es verbindet die Signale aus dem kranken Fettgewebe mit der Entstehung von Bindegewebsnarben im Herzmuskel, der sogenannten interstitiellen Fibrose. Besonders stark ist dieser Effekt bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) und der diabetischen Kardiomyopathie ausgeprägt – zwei Herzerkrankungen, die in den letzten Jahren dramatisch zugenommen haben und oft mit Übergewicht und Diabetes einhergehen.

Die experimentellen Daten sind ebenfalls beeindruckend: In Tiermodellen führte die gezielte Blockierung von Osteopontin zu einer deutlichen Reduktion der Herzmuskel-Fibrose und zu einer Verbesserung der Herzfunktion. Diese Befunde unterstützen die Hypothese, dass Osteopontin nicht nur ein Marker für Herzschäden ist, sondern aktiv zur Krankheitsentstehung beiträgt.

So wurde die Studie durchgeführt

Als narrative Übersichtsarbeit folgt diese Studie einem anderen Ansatz als experimentelle Untersuchungen. Die Autoren haben systematisch die verfügbare wissenschaftliche Literatur zu Osteopontin durchforstet und dabei sowohl Grundlagenforschung als auch klinische Studien berücksichtigt. Ein narrativer Review unterscheidet sich von einer Meta-Analyse dadurch, dass er nicht primär darauf abzielt, Zahlen aus verschiedenen Studien statistisch zu kombinieren, sondern vielmehr ein umfassendes Bild des aktuellen Wissensstands zu zeichnen.

Die Forscher haben dabei eine Dreiteilung vorgenommen und Osteopontin in drei verschiedenen biologischen Kontexten betrachtet: erstens im viszeralen Fettgewebe und dessen Alterungsprozessen, zweitens bei der Entstehung und Destabilisierung von Arterienplaques, und drittens bei der Entwicklung von Herzmuskelveränderungen und metabolisch bedingter Herzinsuffizienz.

Dieser Ansatz ermöglicht es, Verbindungen zwischen verschiedenen Forschungsbereichen herzustellen, die normalerweise getrennt betrachtet werden. Während ein Kardiologe sich hauptsächlich für die Herzwirkungen von Osteopontin interessiert und ein Stoffwechselexperte dessen Rolle im Fettgewebe untersucht, zeigt diese Übersichtsarbeit erstmals das große Gesamtbild auf.

Die Autoren haben dabei sowohl präklinische Studien an Zellkulturen und Tiermodellen als auch klinische Untersuchungen an Menschen einbezogen. Dieser translationsmedizinische Ansatz – also die Verbindung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung – ist besonders wertvoll, weil er zeigt, ob sich Laborergebnisse auch beim Menschen bestätigen lassen.

Stärken der Studie

Die größte Stärke dieser Übersichtsarbeit liegt in ihrem integrativen Ansatz. Erstmals wird Osteopontin nicht isoliert in einem einzelnen Organ betrachtet, sondern als verbindendes Element zwischen verschiedenen Krankheitsprozessen. Diese systemische Sichtweise entspricht der modernen Erkenntnis, dass chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzinsuffizienz und Arteriosklerose nicht isolierte Organprobleme sind, sondern Ausdruck gestörter Kommunikation zwischen verschiedenen Geweben.

Besonders wertvoll ist auch die Berücksichtigung der Zellalterung als zugrunde liegenden Mechanismus. Das Konzept der Seneszenz und des SASP hat in den letzten Jahren die Alternsforschung revolutioniert und bietet neue Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen. Die Autoren zeigen überzeugend auf, wie Osteopontin als Vermittler zwischen alterndem Fettgewebe und Herzschäden fungiert.

Die Übersichtsarbeit besticht zudem durch ihre umfassende Literaturaufarbeitung, die sowohl etablierte als auch sehr aktuelle Forschungsergebnisse einbezieht. Die Autoren haben dabei nicht nur positive Befunde berücksichtigt, sondern auch widersprüchliche Ergebnisse diskutiert und eingeordnet.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Diskussion der therapeutischen und diagnostischen Implikationen. Die Autoren beschränken sich nicht auf die reine Beschreibung biologischer Mechanismen, sondern zeigen konkrete Perspektiven für die klinische Anwendung auf – sowohl als Biomarker für die Risikoeinschätzung als auch als mögliches Ziel für neue Therapien.

Einschränkungen und Grenzen

Trotz aller Stärken weist die Studie auch wichtige Limitationen auf, die die Autoren ehrlich diskutieren. Als narrative Übersichtsarbeit liefert sie keine neuen experimentellen Daten, sondern fasst vorhandenes Wissen zusammen. Die Qualität der Schlussfolgerungen hängt daher unmittelbar von der Qualität der zugrundeliegenden Originalstudien ab.

Ein wesentliches Problem ist die Heterogenität der bisher durchgeführten Studien. Verschiedene Arbeitsgruppen haben unterschiedliche Methoden zur Osteopontin-Messung verwendet, verschiedene Patientenpopulationen untersucht und unterschiedliche Endpunkte betrachtet. Diese Heterogenität macht es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen und erklärt auch, warum manche Studien widersprüchliche Ergebnisse liefern.

Besonders problematisch ist der Mangel an standardisierten Testverfahren für Osteopontin. Während manche Studien die Gesamtkonzentration im Blut messen, fokussieren andere auf spezifische Osteopontin-Varianten oder dessen Konzentration in bestimmten Geweben. Diese methodischen Unterschiede erschweren den direkten Vergleich der Studienergebnisse erheblich.

Ein weiteres wichtiges Defizit liegt im Bereich der interventionellen Studien. Während es viele Beobachtungsstudien gibt, die einen Zusammenhang zwischen erhöhten Osteopontin-Werten und kardiovaskulären Ereignissen zeigen, fehlen bisher großangelegte randomisierte kontrollierte Studien, die untersuchen, ob eine gezielte Beeinflussung der Osteopontin-Wirkung tatsächlich zu besseren klinischen Ergebnissen führt.

Die meisten therapeutischen Daten stammen aus Tierversuchen, und es ist bekannt, dass sich Ergebnisse aus Mausmodellen nicht immer auf den Menschen übertragen lassen. Gerade bei komplexen Erkrankungen wie der Herzinsuffizienz sind die Unterschiede zwischen Mensch und Versuchstier oft erheblich.

Schließlich ist noch unklar, ob Osteopontin primär eine Ursache oder vielmehr eine Folge der beobachteten Krankheitsprozesse ist. Während die experimentellen Daten darauf hindeuten, dass Osteopontin aktiv zur Krankheitsentstehung beiträgt, können Beobachtungsstudien am Menschen diese Kausalität nicht eindeutig beweisen.

Was bedeutet das für Sie?

Die Erkenntnisse zu Osteopontin werfen ein neues Licht auf die komplexen Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Menschen mit Übergewicht oder metabolischen Erkrankungen bedeuten diese Befunde zunächst einmal, dass die individuelle Risikoeinschätzung künftig präziser werden könnte. Nicht jeder übergewichtige Mensch hat das gleiche kardiovaskuläre Risiko – und Osteopontin könnte dabei helfen, diejenigen zu identifizieren, die besonders gefährdet sind.

Praktisch relevant ist die Erkenntnis, dass es offenbar nicht ausreicht, nur Gewicht, Blutdruck und Cholesterin zu kontrollieren. Die Qualität des Fettgewebes und die damit verbundenen Entzündungsprozesse spielen eine eigenständige Rolle. Dies unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Lebensstils, der über die reine Gewichtskontrolle hinausgeht.

Regelmäßige körperliche Aktivität könnte dabei besonders wichtig sein, da Sport nachweislich Entzündungsprozesse im Fettgewebe reduziert und die Funktion der Mitochondrien – der Kraftwerke der Zellen – verbessert. Auch wenn noch nicht direkt untersucht wurde, ob körperliche Aktivität die Osteopontin-Werte senkt, sprechen die biologischen Zusammenhänge dafür.

Eine ausgewogene Ernährung mit vielen antioxidativ wirkenden Substanzen aus Obst und Gemüse könnte ebenfalls hilfreich sein, da oxidativer Stress einer der Auslöser für die Seneszenz von Fettzellen ist. Besonders die mediterrane Ernährungsweise hat sich in Studien als vorteilhaft für die Reduzierung von Entzündungsmarkern erwiesen.

Für die medizinische Betreuung könnte sich mittelfristig die Möglichkeit ergeben, das individuelle Risiko durch die Bestimmung von Osteopontin-Werten genauer einzuschätzen. Dies wäre besonders bei Patienten wertvoll, deren konventionelle Risikofaktoren nur mäßig erhöht sind, die aber trotzdem ein hohes kardiovaskuläres Risiko haben.

Wissenschaftlicher Ausblick

Die Osteopontin-Forschung steht erst am Anfang ihrer klinischen Anwendung. Zunächst müssen standardisierte und validierte Testverfahren entwickelt werden, die eine zuverlässige Messung der verschiedenen Osteopontin-Formen ermöglichen. Gleichzeitig sind prospektive Studien nötig, die klären, welche Osteopontin-Werte bei welchen Patientengruppen als pathologisch zu bewerten sind.

Besonders spannend wird die Entwicklung gezielter Therapien sein, die in die Osteopontin-Signalwege eingreifen. Mehrere Ansätze sind bereits in der präklinischen Entwicklung, von Antikörpern gegen Osteopontin bis hin zu kleinmolekularen Inhibitoren seiner Rezeptoren. Auch senotytische Medikamente – Substanzen, die alternde Zellen selektiv eliminieren – könnten indirekt die Osteopontin-Produktion reduzieren.

Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich wird die Untersuchung der genetischen Varianten des Osteopontin-Gens sein. Möglicherweise erklären genetische Unterschiede, warum manche Menschen trotz ähnlicher Risikofaktoren unterschiedlich stark von kardiovaskulären Erkrankungen betroffen sind.

Fazit

Die Entdeckung der zentralen Rolle von Osteopontin bei der Verbindung zwischen krankem Fettgewebe und Herzerkrankungen stellt einen wichtigen Fortschritt im Verständnis kardiometabolischer Erkrankungen dar. Erstmals zeichnet sich ein molekularer Mechanismus ab, der erklären könnte, warum das kardiovaskuläre Restrisiko bei optimal behandelten übergewichtigen Patienten persistiert. Die Evidenz ist bereits stark genug, um Osteopontin als vielversprechenden Biomarker und therapeutisches Ziel zu betrachten, auch wenn weitere klinische Studien zur endgültigen Validierung erforderlich sind. Diese Erkenntnisse könnten mittelfristig zu einer personalisierten Medizin beitragen, die individuelle Risikoprofile präziser erfasst und gezielter behandelt.

Häufige Fragen

Was ist Osteopontin genau und warum war es bisher unbekannt?

Osteopontin ist ein Protein, das ursprünglich 1986 im Knochengewebe entdeckt wurde – daher auch der Name, der sich aus “Osteo” (Knochen) und “pontin” (Brücke) zusammensetzt. Lange Zeit dachte man, es sei hauptsächlich für die Knochenbildung zuständig. Erst in den letzten 15 Jahren erkannten Forscher, dass Osteopontin ein vielseitiger Botenstoff ist, der in vielen Geweben vorkommt und verschiedenste Zellprozesse reguliert. Es fungiert gewissermaßen als “molekulares Schweizer Taschenmesser” – je nach Kontext kann es Entzündungen fördern, Zellen zur Migration anregen oder Gewebeumbau initiieren. Die Komplexität seiner Funktionen und die Tatsache, dass es in verschiedenen Formen vorkommt, haben seine Erforschung lange erschwert.

Kann ich meinen Osteopontin-Wert beim Arzt bestimmen lassen?

Aktuell ist die Osteopontin-Bestimmung noch kein Routine-Labortest, den Sie bei Ihrem Hausarzt anfordern können. Die meisten kommerziellen Labore bieten diesen Test noch nicht standardmäßig an, und es gibt auch noch keine einheitlichen Referenzwerte, die definieren, welche Werte als normal oder pathologisch gelten. Einige Speziallabore können Osteopontin zwar messen, aber die Ergebnisse sind noch nicht für die klinische Entscheidungsfindung validiert. Die Forschung arbeitet intensiv daran, standardisierte Testverfahren zu entwickeln – vermutlich wird es noch 3-5 Jahre dauern, bis Osteopontin-Tests zur Routinediagnostik gehören. Bis dahin bleiben die etablierten Risikofaktoren wie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker die wichtigsten Parameter für Ihre kardiovaskuläre Risikoeinschätzung.

Welche Lebensstiländerungen können helfen, die schädlichen Osteopontin-Effekte zu reduzieren?

Obwohl noch nicht direkt untersucht wurde, welche Maßnahmen die Osteopontin-Werte senken, lassen sich aus dem biologischen Verständnis sinnvolle Strategien ableiten. Da Osteopontin vor allem von alterndem und entzündetem Fettgewebe produziert wird, zielen die Maßnahmen darauf ab, die Gesundheit des Fettgewebes zu verbessern. Regelmäßige körperliche Aktivität ist dabei besonders wichtig – sie reduziert nicht nur die Fettmasse, sondern verbessert auch die Funktion der verbliebenen Fettzellen und reduziert Entzündungsprozesse. Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Olivenöl und Fisch kann ebenfalls entzündungshemmend wirken. Stressreduktion durch Meditation oder Yoga könnte zusätzlich helfen, da chronischer Stress die Zellalterung beschleunigt. Ausreichender Schlaf ist ebenfalls wichtig, da Schlafmangel Entzündungsprozesse verstärkt.

Gibt es bereits Medikamente, die gezielt gegen Osteopontin wirken?

Bisher gibt es noch keine zugelassenen Medikamente, die spezifisch die Osteopontin-Wirkung blockieren. Allerdings befinden sich mehrere experimentelle Ansätze in der Entwicklung. In Tierversuchen haben monoklonale Antikörper gegen Osteopontin vielversprechende Ergebnisse gezeigt – sie konnten die Herzfibrose reduzieren und die Herzfunktion verbessern. Auch kleinmolekulare Substanzen, die die Osteopontin-Rezeptoren blockieren, sind in der präklinischen Entwicklung. Ein besonders interessanter Ansatz sind die sogenannten Senolytika – Medikamente, die alternde Zellen selektiv eliminieren und dadurch indirekt die Osteopontin-Produktion reduzieren könnten. Das erste Senolytikum, Dasatinib plus Quercetin, wird bereits in kleineren klinischen Studien bei verschiedenen Alternserkrankungen getestet. Bis zur klinischen Verfügbarkeit spezifischer Osteopontin-Hemmer werden aber vermutlich noch 10-15 Jahre vergehen.

Betrifft das Osteopontin-Problem nur stark übergewichtige Menschen oder auch normalgewichtige?

Die Osteopontin-Problematik ist nicht ausschließlich auf stark übergewichtige Menschen beschränkt, auch wenn sie dort am ausgeprägtesten ist. Auch normalgewichtige Menschen können erhöhte Osteopontin-Werte haben, besonders wenn sie das sogenannte “metabolically unhealthy normal weight”-Profil aufweisen – also trotz normalem Gewicht ungünstige Stoffwechselparameter haben. Dies kann bei Menschen auftreten, die wenig Muskelmasse haben, sich wenig bewegen oder genetisch zu visceraler Fettansammlung neigen. Sogar schlanke Menschen können relevante Mengen an viszeralem Fett haben, das dann entsprechend Osteopontin produziert. Außerdem steigt die Osteopontin-Produktion mit dem Alter natürlich an, da die Zellalterung ein universeller Prozess ist. Das bedeutet: Auch wenn Sie normalgewichtig sind, können Sie von den präventiven Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung profitieren, um die altersbedingte Zunahme von Osteopontin zu verlangsamen.

Quelle

Diese Zusammenfassung basiert auf: The fat-heart entanglement and the role of ‘osteopontin mechanics’ in cardiometabolic senescence., veröffentlicht in European journal of clinical investigation (2026).

→ Originalstudie auf PubMed (PMID: 41562403)