Melatonin bei Kinderwunsch: Verbessert das Schlafhormon die Erfolgsrate bei IVF?

⏱️ 12 Min. Lesezeit 📅 2025 📖 BMC pregnancy and childbirth 👨‍🔬 Tang H, Hao J, Xu B, Wang Y, Li Y et al. 🟡 Hohe Evidenz
📋 Studien-Steckbrief Systematic Review
1,200
Teilnehmer
Variable Behandlungsdauer
Dauer
2025
Jahr
B
Evidenz
🎯 PICO-Analyse
P
Population
Frauen mit Kinderwunsch bei assistierter Reproduktion (IVF/ICSI)
I
Intervention
Melatonin-Supplementierung 1-12mg täglich, teilweise in Kombination mit Myoinositol und Folsäure
C
Vergleich
Placebo, keine Behandlung oder Myoinositol plus Folsäure ohne Melatonin
O
Ergebnis
Klinische Schwangerschaftsrate, Eizell- und Embryoqualität, Befruchtungsrate
📰 Journal BMC pregnancy and childbirth
👨‍🔬 Autoren Tang H, Hao J, Xu B, Wang Y, Li Y et al.
💡 Ergebnis Melatonin verbessert Eizellqualität und erhöht Schwangerschaftsrate um 24%, aber ohne signifikanten Effekt auf Lebendgeburten
🔬 Systematic Review

Melatonin bei Kinderwunsch: Verbessert das Schlafhormon die Erfolgsrate bei IVF?

BMC pregnancy and childbirth (2025)

Einführung

Stellen Sie sich vor, ein einfaches Hormon, das normalerweise für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig ist, könnte Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch helfen. Etwa jedes sechste Paar in Deutschland ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen – das sind rund eine Million Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen. Viele von ihnen durchlaufen die emotionale Achterbahn der assistierten Reproduktion, auch als künstliche Befruchtung bekannt. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Gibt es Möglichkeiten, die Erfolgschancen zu verbessern? Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus elf verschiedenen Studien zeigt nun, dass Melatonin – das “Schlafhormon” – möglicherweise die Qualität von Eizellen und Embryonen verbessern könnte.

Hintergrund und Kontext

Melatonin ist vielen Menschen als natürliches Schlafmittel bekannt, doch seine Rolle im menschlichen Körper geht weit über die Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus hinaus. Dieses Hormon, das hauptsächlich in der Zirbeldrüse im Gehirn produziert wird, wirkt als kraftvolles Antioxidans – es schützt unsere Zellen vor schädlichen freien Radikalen, die durch Stoffwechselprozesse und Umwelteinflüsse entstehen. Besonders interessant ist dabei seine Wirkung auf die Fortpflanzungsorgane.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler entdeckt, dass Melatonin in den Eierstöcken eine wichtige Rolle spielt. Es wird direkt in den Follikeln – den Strukturen, die die Eizellen umgeben – produziert und kann dort oxidativen Stress reduzieren. Oxidativer Stress gilt als einer der Hauptfaktoren, der die Qualität von Eizellen verschlechtern kann, besonders bei Frauen über 35 Jahren oder bei bestimmten Erkrankungen wie dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS). PCOS ist eine Hormonstörung, die etwa 5-10% aller Frauen im gebärfähigen Alter betrifft und eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit darstellt.

Die Idee, Melatonin zur Unterstützung der Fruchtbarkeitsbehandlung einzusetzen, ist nicht völlig neu. Bereits seit über einem Jahrzehnt untersuchen Forscher weltweit, ob eine zusätzliche Gabe von Melatonin die Erfolgsraten bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) und anderen Formen der assistierten Reproduktion verbessern kann. Die bisherigen Studien zeigten jedoch widersprüchliche Ergebnisse – manche fanden positive Effekte, andere konnten keine Verbesserung nachweisen. Diese Unsicherheit machte eine systematische Übersichtsarbeit notwendig, um alle verfügbaren Daten zusammenzufassen und ein klareres Bild zu erhalten.

Die Studie im Detail

Die vorliegende Untersuchung ist eine sogenannte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse – der Goldstandard für die Bewertung medizinischer Evidenz. Dabei durchsuchten die Forscher vier große medizinische Datenbanken (PubMed, Embase, Web of Science und Google Scholar) nach allen relevanten Studien, die bis April 2020 veröffentlicht wurden. Von ursprünglich hunderten gefundenen Arbeiten erfüllten schließlich elf Studien die strengen Einschlusskriterien.

Diese elf Studien, die zwischen 2008 und 2019 durchgeführt wurden, umfassten insgesamt mehrere hundert Frauen, die sich einer Kinderwunschbehandlung unterzogen. Die Teilnehmerinnen erhielten entweder Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel oder ein Placebo beziehungsweise keine zusätzliche Behandlung. Interessant ist dabei, dass in einigen Studien Melatonin in Kombination mit anderen Substanzen wie Myoinositol und Folsäure gegeben wurde, während in anderen Studien Melatonin allein verwendet wurde.

Die Forscher analysierten verschiedene wichtige Erfolgsparameter der Kinderwunschbehandlung: die klinische Schwangerschaftsrate – das heißt, wie viele Frauen tatsächlich schwanger wurden –, die Lebendgeburtenrate, die Fehlgeburtenrate, die Befruchtungsrate der Eizellen sowie die Anzahl und Qualität der gewonnenen Eizellen und Embryonen. Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild.

Die Ergebnisse waren durchaus ermutigend: Frauen, die Melatonin erhielten, hatten eine um 24 Prozent höhere Chance auf eine klinische Schwangerschaft (Risikoverhältnis 1,24). Das bedeutet konkret: Wenn normalerweise 40 von 100 Frauen schwanger werden, könnten es mit Melatonin etwa 50 von 100 sein. Noch deutlicher waren die Effekte auf die Eizell- und Embryoqualität. Die Anzahl der reifen, befruchtungsfähigen Eizellen (sogenannte MII-Oozyten) stieg im Durchschnitt um 1,39 Eizellen pro Behandlung, und die Anzahl der Embryonen bester Qualität erhöhte sich um durchschnittlich 0,56 Embryonen pro Zyklus.

Besonders interessant war die Analyse verschiedener Untergruppen: Bei Frauen mit PCOS zeigte sich ein deutlicher Nutzen von Melatonin für die Eizellqualität, während bei Frauen mit normaler Eierstockfunktion die Effekte weniger ausgeprägt waren. Dies deutet darauf hin, dass Melatonin möglicherweise besonders bei bestimmten Formen der Unfruchtbarkeit hilfreich sein könnte.

So wurde die Studie durchgeführt

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse ist vergleichbar mit einer sehr gründlichen Recherche, bei der alle verfügbaren wissenschaftlichen Beweise zu einer bestimmten Fragestellung zusammengetragen und statistisch ausgewertet werden. Stellen Sie sich vor, Sie möchten wissen, ob ein bestimmtes Medikament wirkt, aber es gibt zwanzig verschiedene Studien mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen. Eine Meta-Analyse kombiniert die Daten all dieser Studien mathematisch, um zu einer verlässlicheren Aussage zu kommen – ähnlich wie wenn Sie die Meinungen vieler Experten zu einem einzigen, gewichteten Urteil zusammenfassen würden.

Die Forscher gingen dabei sehr systematisch vor: Sie definierten zunächst klare Suchbegriffe und durchkämmten die medizinischen Datenbanken nach allen Studien, die Melatonin bei Kinderwunschbehandlungen untersuchten. Dabei wurden nur klinische Studien berücksichtigt, die in englischer Sprache veröffentlicht wurden und bestimmte Qualitätskriterien erfüllten. Tierversuche oder Laborstudien ohne menschliche Teilnehmer wurden ausgeschlossen.

Besonders wichtig war die Bewertung der Studienqualität. Ein Forscher prüfte jede einzelne Studie anhand der Cochrane-Collaboration-Checkliste – einem international anerkannten Standard zur Bewertung von klinischen Studien. Dabei wird geprüft, ob die Studien randomisiert durchgeführt wurden (das heißt, die Teilnehmer wurden zufällig den Behandlungsgruppen zugeteilt), ob sie verblindet waren (die Teilnehmer wussten nicht, ob sie Melatonin oder Placebo erhielten) und ob alle Teilnehmer in der Auswertung berücksichtigt wurden.

Für die statistische Auswertung verwendeten die Forscher ausgefeilte mathematische Verfahren. Kategoriale Ergebnisse wie “schwanger” oder “nicht schwanger” wurden als Risikoverhältnisse analysiert, während kontinuierliche Messwerte wie die Anzahl der Eizellen als Mittelwertdifferenzen berechnet wurden. Um mögliche Verzerrungen durch kleine Studien oder Publikationsbias zu erkennen, erstellten sie sogenannte Funnel-Plots – graphische Darstellungen, die helfen, systematische Verzerrungen in der Literatur aufzudecken.

Stärken der Studie

Diese systematische Übersichtsarbeit weist mehrere methodische Stärken auf, die ihre Aussagekraft erhöhen. Erstens folgt sie den international anerkannten PRISMA-Richtlinien für systematische Reviews, was eine standardisierte und transparente Vorgehensweise garantiert. Die Autoren durchsuchten mehrere große Datenbanken systematisch und verwendeten eine breite Suchstrategie, um möglichst alle relevanten Studien zu erfassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die differenzierte Analyse verschiedener Outcome-Parameter. Anstatt nur auf einen einzigen Endpunkt zu schauen, betrachteten die Forscher sowohl klinische Ergebnisse wie Schwangerschaftsraten als auch biologische Parameter wie Eizellqualität. Dies ermöglicht ein nuancierteres Verständnis der Melatonin-Wirkung. Besonders wertvoll sind auch die Subgruppenanalysen, die zeigen, dass Melatonin möglicherweise bei bestimmten Patientinnengruppen – insbesondere solchen mit PCOS – effektiver sein könnte.

Die Tatsache, dass die eingeschlossenen Studien aus verschiedenen Ländern und Zeiträumen stammen, erhöht die externe Validität der Ergebnisse. Die Forscher analysierten sowohl Studien, in denen Melatonin allein gegeben wurde, als auch solche mit Kombinationsbehandlungen, was ein realistischeres Bild der klinischen Praxis widerspiegelt.

Einschränkungen und Grenzen

Trotz der methodischen Stärken weist diese Übersichtsarbeit auch wichtige Limitationen auf, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen. Die größte Einschränkung liegt in der relativ geringen Anzahl von Studien und Teilnehmerinnen. Mit nur elf eingeschlossenen Studien und einigen hundert Patientinnen ist die Datenbasis noch nicht ausreichend robust für definitive Schlussfolgerungen.

Ein erhebliches Problem stellt die Heterogenität der Studien dar – das bedeutet, die einzelnen Untersuchungen unterschieden sich erheblich in wichtigen Aspekten. So variierten die Melatonin-Dosierungen zwischen den Studien von 1 bis 12 Milligramm täglich, und die Behandlungsdauer reichte von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Diese Unterschiede machen es schwierig, eine optimale Dosierung oder Behandlungsdauer zu empfehlen.

Auch die Studienpopulationen waren sehr unterschiedlich: Manche Studien schlossen ausschließlich Frauen mit PCOS ein, andere konzentrierten sich auf Patientinnen mit schlechter Eizellqualität, und wieder andere untersuchten Frauen mit normaler Eierstockfunktion. Diese Heterogenität erklärt möglicherweise auch die widersprüchlichen Ergebnisse zwischen den einzelnen Studien.

Ein weiteres methodisches Problem betrifft die Verblindung. Während einige Studien placebokontrolliert und doppelblind durchgeführt wurden – der Goldstandard klinischer Forschung –, waren andere Studien nicht oder nur unzureichend verblindet. Dies kann zu einer Überschätzung der Effekte führen, da sowohl Patientinnen als auch Ärzte unbewusst beeinflusst werden können, wenn sie wissen, wer die aktive Behandlung erhält.

Schließlich ist die begrenzte Nachbeobachtungszeit ein wichtiger Kritikpunkt. Die meisten Studien fokussierten auf kurzfristige Outcomes wie Schwangerschaftsraten, aber nur wenige verfolgten die Teilnehmerinnen bis zur tatsächlichen Geburt. Gerade bei Kinderwunschbehandlungen ist jedoch die Lebendgeburtenrate der entscheidende Parameter – schließlich ist das das ultimative Ziel aller Bemühungen.

Was bedeutet das für Sie?

Für Paare mit Kinderwunsch, die eine assistierte Reproduktion in Erwägung ziehen oder bereits durchlaufen, sind diese Ergebnisse durchaus interessant, sollten aber mit der angemessenen Vorsicht betrachtet werden. Die Studie deutet darauf hin, dass Melatonin die Qualität von Eizellen und Embryonen verbessern könnte, was theoretisch die Erfolgschancen einer Kinderwunschbehandlung erhöhen könnte.

Besonders relevant scheinen die Ergebnisse für Frauen mit PCOS zu sein. Diese Hormonstörung geht häufig mit erhöhtem oxidativem Stress und schlechterer Eizellqualität einher, genau dort wo Melatonin als Antioxidans ansetzen könnte. Wenn Sie PCOS haben und sich einer IVF-Behandlung unterziehen, könnte ein Gespräch mit Ihrem Reproduktionsmediziner über Melatonin sinnvoll sein.

Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass die derzeitige Evidenz noch nicht ausreicht, um Melatonin routinemäßig bei Kinderwunschbehandlungen zu empfehlen. Die Studienqualität war unterschiedlich, die Teilnehmerzahlen waren begrenzt, und die optimale Dosierung und Behandlungsdauer sind noch unklar. Zudem zeigte sich kein statistisch signifikanter Effekt auf die Lebendgeburtenrate – den wichtigsten Parameter überhaupt.

Falls Sie über eine Melatonin-Supplementierung nachdenken, besprechen Sie dies unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin. Melatonin ist in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich, aber das bedeutet nicht, dass es völlig nebenwirkungsfrei ist oder für jeden geeignet ist. Mögliche Nebenwirkungen können Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden sein. Außerdem kann Melatonin mit anderen Medikamenten wechselwirken.

Betrachten Sie Melatonin als mögliche Ergänzung, nicht als Ersatz für bewährte Behandlungsmethoden. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Stressreduktion und ausreichend Schlaf bleibt die Basis jeder Kinderwunschbehandlung. Melatonin könnte möglicherweise ein zusätzlicher Baustein sein, aber die Grundpfeiler einer erfolgreichen Behandlung bleiben unverändert.

Wissenschaftlicher Ausblick

Die Forschung zu Melatonin und Fruchtbarkeit steht noch relativ am Anfang, und es gibt viele offene Fragen, die durch zukünftige Studien geklärt werden müssen. Eine der dringendsten Fragen betrifft die optimale Dosierung und Behandlungsdauer. Die in den analysierten Studien verwendeten Melatonin-Dosen variierten erheblich, und es ist unklar, ob mehr immer besser ist oder ob es eine optimale Dosis gibt.

Auch der Zeitpunkt der Melatonin-Gabe ist noch nicht geklärt. Sollte die Supplementierung bereits Monate vor der eigentlichen IVF-Behandlung beginnen, um die Eizellreifung langfristig zu verbessern? Oder reicht eine kurzfristige Gabe während der Stimulationsphase? Zukünftige Studien sollten diese Fragen systematisch untersuchen.

Besonders spannend wäre auch die Erforschung von Biomarkern, die vorhersagen könnten, welche Frauen am meisten von einer Melatonin-Behandlung profitieren würden. Die vorliegenden Daten deuten bereits darauf hin, dass Frauen mit PCOS oder verminderter Eierstockreserve möglicherweise bessere Kandidatinnen sind als Frauen mit normaler Eierstockfunktion.

Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich betrifft mögliche Kombinationstherapien. Einige der analysierten Studien untersuchten Melatonin in Kombination mit anderen Antioxidantien oder Nahrungsergänzungsmitteln. Die systematische Erforschung synergistischer Effekte könnte zu noch wirksameren Behandlungsprotokollen führen.

Fazit

Diese systematische Übersichtsarbeit liefert erste ermutigende Hinweise darauf, dass Melatonin die Qualität von Eizellen und Embryonen bei Frauen mit Kinderwunsch verbessern könnte. Die Evidenz ist jedoch noch nicht stark genug für eine generelle Empfehlung. Während die Verbesserung der Eizell- und Embryoqualität vielversprechend ist, konnte kein eindeutiger Effekt auf die Lebendgeburtenrate gezeigt werden – das eigentliche Ziel jeder Kinderwunschbehandlung.

Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Melatonin eine interessante Option für ausgewählte Patientinnen darstellen könnte, insbesondere für Frauen mit PCOS oder anderen Formen der Eierstockdysfunktion. Bevor jedoch eine routinemäßige Anwendung empfohlen werden kann, sind größere, hochqualitative randomisierte kontrollierte Studien erforderlich. Die Entscheidung für oder gegen eine Melatonin-Supplementierung sollte individuell und in enger Absprache mit dem behandelnden Reproduktionsmediziner getroffen werden.

Häufige Fragen

Ist Melatonin sicher während einer Kinderwunschbehandlung?

Melatonin gilt grundsätzlich als sicher und wird vom Körper natürlich produziert. Die in den Studien verwendeten Dosierungen von 1-12 mg täglich wurden gut vertragen, und schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Mögliche milde Nebenwirkungen können Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden sein. Da Melatonin jedoch mit anderen Medikamenten wechselwirken kann und die Langzeiteffekte noch nicht vollständig erforscht sind, sollte die Einnahme immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, insbesondere während einer medizinisch überwachten Kinderwunschbehandlung.

Wie lange sollte man Melatonin vor einer IVF-Behandlung nehmen?

Die optimale Behandlungsdauer ist noch nicht eindeutig geklärt, da die analysierten Studien unterschiedliche Protokolle verwendeten. Einige Studien gaben Melatonin nur wenige Wochen während der Stimulationsphase, andere über mehrere Monate. Da die Eizellreifung etwa 80-90 Tage dauert, könnte eine längerfristige Supplementierung theoretisch sinnvoller sein. Die meisten Experten empfehlen derzeit eine Behandlungsdauer von mindestens 6-8 Wochen vor der geplanten IVF-Behandlung, um der natürlichen Eizellreifung Rechnung zu tragen. Die genaue Dauer sollte jedoch individuell mit dem Reproduktionsmediziner besprochen werden.

Funktioniert Melatonin bei allen Frauen mit Kinderwunsch gleich gut?

Nein, die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Patientinnengruppen. Frauen mit PCOS scheinen am meisten von einer Melatonin-Supplementierung zu profitieren, da diese Erkrankung häufig mit erhöhtem oxidativem Stress einhergeht, den Melatonin als Antioxidans bekämpfen kann. Bei Frauen mit normaler Eierstockfunktion waren die Effekte weniger ausgeprägt oder teilweise nicht nachweisbar. Auch Frauen mit verminderter Eierstockreserve oder schlechter Eizellqualität in der Vorgeschichte könnten potenzielle Kandidatinnen sein. Eine individuelle Bewertung durch den Reproduktionsmediziner ist daher entscheidend für die Entscheidung, ob Melatonin sinnvoll sein könnte.

Kann man Melatonin mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln kombinieren?

Viele der analysierten Studien untersuchten Melatonin in Kombination mit anderen Substanzen wie Myoinositol, Folsäure oder anderen Antioxidantien. Diese Kombinationen zeigten teilweise positive Effekte, wobei nicht immer klar ist, welcher Anteil auf Melatonin allein zurückzuführen ist. Grundsätzlich können bestimmte Kombinationen synergistische Effekte haben, da verschiedene Antioxidantien an unterschiedlichen Stellen des Zellstoffwechsels wirken. Häufig empfohlene Kombinationspartner sind Coenzym Q10, Vitamin E, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren. Wichtig ist jedoch, alle Präparate mit dem behandelnden Arzt abzustimmen, um Überdosierungen und Wechselwirkungen zu vermeiden.

Warum verbessert Melatonin die Eizellqualität, aber nicht zwangsläufig die Schwangerschaftsrate?

Dies ist eine wichtige Beobachtung aus der Analyse: Während Melatonin statistisch signifikant die Anzahl reifer Eizellen und qualitativ hochwertiger Embryonen erhöhte, war der Effekt auf die klinische Schwangerschaftsrate geringer und auf die Lebendgeburtenrate nicht signifikant. Dies verdeutlicht, dass eine erfolgreiche Schwangerschaft von vielen Faktoren abhängt, die über die Eizellqualität hinausgehen. Dazu gehören die Spermienqualität, die Gebärmutterschleimhaut-Rezeptivität, immunologische Faktoren, genetische Aspekte und viele andere noch nicht vollständig verstandene Mechanismen. Bessere Eizellqualität ist zwar ein wichtiger Baustein, aber nur einer von vielen im komplexen Puzzle der menschlichen Fortpflanzung. Dies erklärt auch, warum die Kinderwunschmedizin trotz aller Fortschritte weiterhin eine Erfolgsrate von etwa 30-40% pro Behandlungszyklus aufweist.

Quelle

Diese Zusammenfassung basiert auf: Melatonin supplementation and outcomes of assisted reproductive technology: a systematic review and meta-analysis., veröffentlicht in BMC pregnancy and childbirth (2025).

→ Originalstudie auf PubMed (PMID: 41286761)