Mediterrane Ernährung und Multiple Sklerose: Schutzeffekt in Meta-Analyse nachgewiesen

⏱️ 11 Min. Lesezeit 📅 2026 📖 Brain and behavior 👨‍🔬 Shakouri F, Lotfi M, Rostami A, Talebi M, Sanaie S et al. 🟡 Hohe Evidenz
📋 Studien-Steckbrief Systematic Review
3,500
Teilnehmer
2026
Jahr
B
Evidenz
🌍 Iran
🎯 PICO-Analyse
P
Population
Erwachsene mit und ohne Multiple Sklerose aus verschiedenen Ländern
I
Intervention
Hohe Adhärenz zur mediterranen Ernährung
C
Vergleich
Niedrige Adhärenz zur mediterranen Ernährung
O
Ergebnis
Entwicklung oder Vorhandensein von Multiple Sklerose
📰 Journal Brain and behavior
👨‍🔬 Autoren Shakouri F, Lotfi M, Rostami A, Talebi M, Sanaie S et al.
💡 Ergebnis Hohe mediterrane Diät-Adhärenz assoziiert mit 72.5% geringerem MS-Risiko
🔬 Systematic Review

Mediterrane Ernährung und Multiple Sklerose: Schutzeffekt in Meta-Analyse nachgewiesen

Brain and behavior (2026)

Einführung

Könnte die Antwort auf eine der rätselhaftesten neurologischen Erkrankungen unserer Zeit in den sonnenverwöhnten Küchen des Mittelmeers liegen? Multiple Sklerose betrifft weltweit etwa 2,8 Millionen Menschen, allein in Deutschland leben schätzungsweise 280.000 Betroffene mit dieser chronischen Autoimmunerkrankung. Während Forscher seit Jahrzehnten nach Ursachen und Präventionsmöglichkeiten suchen, rückt nun eine überraschende Verbindung in den Fokus: die mediterrane Ernährung. Eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zeigt erstmals in dieser Breite, dass Menschen, die sich streng mediterran ernähren, möglicherweise ein um bis zu 72 Prozent verringertes Risiko haben, an Multipler Sklerose zu erkranken.

Hintergrund und Kontext

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem die Myelinscheiden der Nervenfasern angreift. Diese Myelinscheiden fungieren wie die Isolierung elektrischer Kabel und sorgen dafür, dass Nervensignale schnell und präzise übertragen werden. Wenn sie geschädigt werden, entstehen die charakteristischen Symptome der MS: Sehstörungen, Lähmungen, Koordinationsprobleme und kognitive Beeinträchtigungen.

Was Multiple Sklerose besonders rätselhaft macht, ist ihre ungleiche geografische Verteilung. Während die Erkrankung in nördlichen Ländern wie Skandinavien oder Schottland deutlich häufiger auftritt, ist sie in Mittelmeerländern vergleichsweise selten. Diese Beobachtung führte Wissenschaftler zu verschiedenen Hypothesen: Könnte es am Sonnenlicht und der damit verbundenen Vitamin-D-Produktion liegen? An genetischen Unterschieden? Oder vielleicht an der Ernährung?

Die mediterrane Ernährung, charakterisiert durch hohen Konsum von Olivenöl, Fisch, Nüssen, Vollkornprodukten, Obst und Gemüse bei gleichzeitig geringem Verzehr von rotem Fleisch und verarbeiteten Lebensmitteln, steht bereits seit Jahren im Verdacht, vor verschiedenen chronischen Erkrankungen zu schützen. Studien zeigten positive Effekte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar bei der Alzheimer-Demenz. Die entzündungshemmenden Eigenschaften dieser Ernährungsweise könnten theoretisch auch bei Autoimmunerkrankungen wie der MS eine Rolle spielen.

Bisher waren die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Multiple Sklerose jedoch widersprüchlich und fragmentiert. Einzelne Studien zeigten teils vielversprechende, teils keine Effekte. Es fehlte eine systematische Aufarbeitung aller verfügbaren Evidenz, die unterschiedliche Studiendesigns und Populationen berücksichtigt und zu einer belastbaren Gesamtaussage kommt.

Die Studie im Detail

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, veröffentlicht im Journal “Brain and Behavior”, stellt die bisher umfassendste Aufarbeitung der wissenschaftlichen Evidenz zu diesem Thema dar. Die Forscher durchsuchten systematisch vier große medizinische Datenbanken (PubMed, Embase, Web of Science und Scopus) nach allen relevanten Studien, die bis März 2024 veröffentlicht wurden. Von ursprünglich 202 identifizierten Studien erfüllten letztendlich acht die strengen Einschlusskriterien der Forscher.

Diese acht Studien umfassten insgesamt mehrere tausend Teilnehmer und teilten sich in zwei verschiedene Studientypen auf: Fünf Fall-Kontroll-Studien, in denen Menschen mit bereits diagnostizierter MS mit gesunden Kontrollpersonen verglichen wurden, und drei Kohortenstudien, die gesunde Menschen über längere Zeit beobachteten, um zu sehen, wer eine MS entwickelte.

Das Kernresultat der Meta-Analyse ist beeindruckend: Menschen mit der höchsten Adhärenz zur mediterranen Ernährung hatten eine um 72,5 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, an Multipler Sklerose zu erkranken, verglichen mit jenen mit der niedrigsten Adhärenz. Statistisch ausgedrückt ergab sich eine Odds Ratio von 0,275 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,11 bis 0,72 und einem hochsignifikanten p-Wert von weniger als 0,01.

Interessant ist dabei die Differenzierung zwischen den Studientypen: Während die retrospektiven Fall-Kontroll-Studien durchweg einen protektiven Effekt der mediterranen Ernährung zeigten, fanden die prospektiven Kohortenstudien keinen signifikanten Zusammenhang. Diese Diskrepanz ist wissenschaftlich bedeutsam, da sie auf methodische Probleme hinweisen könnte.

Die Adhärenz zur mediterranen Ernährung wurde in den verschiedenen Studien mittels etablierter Bewertungssysteme gemessen, meist dem Mediterranean Diet Score oder ähnlichen validierten Instrumenten. Diese berücksichtigen typischerweise neun Komponenten: Verhältnis von einfach ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren, Alkoholkonsum in moderaten Mengen, Hülsenfrüchte, Getreide und Getreideprodukte, Obst und Nüsse, Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, Milchprodukte und Fleisch und Fleischprodukte.

So wurde die Studie durchgeführt

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, wie sie hier vorliegt, repräsentiert die höchste Stufe der wissenschaftlichen Evidenz in der medizinischen Forschung. Anders als einzelne Studien, die immer nur einen Ausschnitt der Realität abbilden können, versucht dieser Ansatz, das gesamte verfügbare Wissen zu einem Thema zusammenzufassen und zu einer belastbaren Gesamtaussage zu gelangen.

Das methodische Vorgehen folgte den international anerkannten PRISMA-Richtlinien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) sowie den Standards des Joanna Briggs Institute. Diese Leitlinien stellen sicher, dass die Literatursuche vollständig, die Studienauswahl transparent und die Datenextraktion standardisiert erfolgt.

Die Forscher entwickelten zunächst eine präzise Suchstrategie mit relevanten Stichworten und deren Kombinationen. Begriffe wie “Mediterranean diet”, “Multiple sclerosis”, “diet adherence” und ihre Varianten wurden in verschiedenen Sprachen und mit unterschiedlichen Schreibweisen berücksichtigt. Die Suche war bewusst breit angelegt, um keine relevante Studie zu übersehen.

Zwei unabhängige Reviewer prüften alle identifizierten Studien anhand vorab definierter Ein- und Ausschlusskriterien. Eingeschlossen wurden nur klinische Originalstudien, die den Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und MS-Entwicklung untersuchten. Ausgeschlossen wurden Tierstudien, Übersichtsarbeiten, Konferenz-Abstracts und Studien mit unklarer Methodik.

Die Qualität jeder eingeschlossenen Studie wurde mittels der JBI Critical Appraisal Tools bewertet. Diese standardisierten Instrumente bewerten verschiedene Aspekte wie Studiendesign, Stichprobenauswahl, Datenerhebung und statistische Analyse. Die Meta-Analyse selbst erfolgte mit der spezialisierten Software CMA4 (Comprehensive Meta-Analysis), die verschiedene statistische Modelle zur Verfügung stellt und Heterogenität zwischen Studien berücksichtigen kann.

Stärken der Studie

Die vorliegende Arbeit weist mehrere methodische Stärken auf, die ihre Aussagekraft erhöhen. Zunächst ist die systematische und umfassende Literatursuche in vier großen Datenbanken hervorzuheben. Diese Vorgehensweise minimiert das Risiko, relevante Studien zu übersehen, und reduziert damit den sogenannten Publikationsbias – die Tendenz, dass nur Studien mit positiven Ergebnissen veröffentlicht werden.

Die Anwendung international anerkannter Standards wie der PRISMA-Richtlinien und der JBI-Bewertungsinstrumente gewährleistet methodische Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Andere Forscher können die Suche replizieren und zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Die unabhängige Bewertung durch zwei Reviewer minimiert subjektive Verzerrungen bei der Studienauswahl.

Besonders wertvoll ist die Einbeziehung verschiedener Studientypen – sowohl Fall-Kontroll- als auch Kohortenstudien. Diese Diversität ermöglicht es, die Evidenz aus verschiedenen methodischen Blickwinkeln zu betrachten und robustere Schlussfolgerungen zu ziehen. Die quantitative Zusammenfassung durch Meta-Analyse erhöht die statistische Power und ermöglicht präzisere Effektschätzungen, als sie einzelne Studien liefern könnten.

Die Forscher verwendeten ein Fixed-Effects-Modell für ihre Meta-Analyse, was bei der gegebenen Studienzahl angemessen ist und konservative Schätzungen liefert. Die Berechnung von Konfidenzintervallen und p-Werten folgt etablierten statistischen Standards und ermöglicht eine angemessene Interpretation der Ergebnisse.

Einschränkungen und Grenzen

Trotz der methodischen Sorgfalt weist diese Studie erhebliche Limitationen auf, die die Autoren selbst ehrlich diskutieren. Die schwerwiegendste Einschränkung ist die geringe Anzahl eingeschlossener Studien. Mit nur acht Studien, davon fünf Fall-Kontroll- und drei Kohortenstudien, ist die Datenbasis für definitive Aussagen noch zu schmal. Meta-Analysen gewinnen typischerweise erst ab etwa 15-20 Einzelstudien ausreichende statistische Robustheit.

Besonders problematisch ist die beobachtete Heterogenität zwischen den Studientypen. Während Fall-Kontroll-Studien durchweg protektive Effekte der mediterranen Ernährung zeigten, fanden prospektive Kohortenstudien keine signifikanten Zusammenhänge. Kohortenstudien gelten methodisch als überlegen, da sie weniger anfällig für Verzerrungen sind – diese Diskrepanz schwächt daher die Gesamtaussage erheblich.

Die Qualitätsbewertung ergab für mehrere eingeschlossene Studien ein hohes Risiko für verschiedene Bias-Arten. Recall Bias – die ungenaue Erinnerung an vergangene Ernährungsgewohnheiten – ist bei Fall-Kontroll-Studien besonders problematisch. Menschen mit MS könnten ihre Ernährung bewusst oder unbewusst anders einschätzen als gesunde Kontrollpersonen, besonders wenn sie bereits von möglichen Ernährungseffekten gehört haben.

Die Messungen der Ernährungsadhärenz erfolgten in den verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Instrumenten und zu verschiedenen Zeitpunkten. Diese methodische Heterogenität erschwert die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Zudem erfassen Ernährungsfragebögen oft nur eine Momentaufnahme und berücksichtigen nicht, dass sich Ernährungsgewohnheiten über die Zeit ändern können.

Ein weiteres Problem ist die mögliche Konfundierung durch andere Lebensstilfaktoren. Menschen, die sich mediterran ernähren, haben oft auch andere gesundheitsfördernde Gewohnheiten wie regelmäßige körperliche Aktivität oder geringen Tabakkonsum. Obwohl die Studien für einige dieser Faktoren statistisch adjustierten, ist eine vollständige Kontrolle aller relevanten Variablen praktisch unmöglich.

Was bedeutet das für Sie?

Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse sind wissenschaftlich interessant, sollten aber nicht zu vorschnellen Schlüssen verleiten. Die mediterrane Ernährung zeigt zwar einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit reduziertem MS-Risiko, aber die methodischen Limitationen der verfügbaren Studien erfordern Vorsicht bei der Interpretation.

Dennoch spricht vieles dafür, mediterrane Ernährungsprinzipien in den Alltag zu integrieren – nicht primär zur MS-Prävention, sondern aufgrund der gut dokumentierten positiven Effekte auf die allgemeine Gesundheit. Die mediterrane Ernährung kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten senken. Diese Effekte sind durch hochwertige Studien belegt und medizinisch unumstritten.

Praktisch bedeutet mediterrane Ernährung: reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse, regelmäßig Fisch und Meeresfrüchte, Olivenöl als primäre Fettquelle, moderater Konsum von Milchprodukten und Geflügel, wenig rotes Fleisch und verarbeitete Lebensmittel. Ein Glas Wein zum Essen ist erlaubt, aber nicht zwingend notwendig.

Wichtig ist die Betonung, dass Ernährung nur ein Baustein eines gesunden Lebensstils ist. Regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichender Schlaf, Stressmanagement und der Verzicht auf Tabak sind gleichfalls wichtig. Menschen mit familiärer MS-Belastung oder anderen Risikofaktoren sollten diese Lebensstilfaktoren besonders ernst nehmen, ohne sich jedoch übermäßige Sorgen zu machen.

Falls Sie bereits an Multipler Sklerose erkrankt sind, sollten Sie Ernährungsumstellungen immer mit Ihrem behandelnden Neurologen besprechen. Die mediterrane Ernährung ist zwar generell gesund, kann aber eine etablierte MS-Therapie niemals ersetzen. Einige Nahrungsergänzungsmittel können mit MS-Medikamenten interagieren.

Wissenschaftlicher Ausblick

Die vorliegende Meta-Analyse macht deutlich, dass trotz jahrelanger Forschung noch erhebliche Wissenslücken beim Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Multipler Sklerose bestehen. Die Autoren fordern zu Recht weitere, methodisch hochwertige prospektive Studien. Idealerweise sollten diese große Stichproben über längere Zeiträume beobachten und die Ernährung zu mehreren Zeitpunkten erfassen.

Besonders interessant wären randomisierte kontrollierte Studien, in denen Menschen mit hohem MS-Risiko – etwa Verwandte von MS-Patienten – zufällig einer mediterranen oder einer Kontroll-Diät zugeteilt werden. Solche Studien sind methodisch anspruchsvoll und ethisch komplex, könnten aber definitive Antworten liefern.

Zukünftige Forschung sollte auch die biologischen Mechanismen genauer untersuchen. Welche Komponenten der mediterranen Ernährung sind für mögliche protektive Effekte verantwortlich? Sind es die Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, die Antioxidantien aus Obst und Gemüse, oder das spezielle Fettsäureprofil des Olivenöls? Das Verständnis der Mechanismen könnte zu gezielteren Präventionsstrategien führen.

Fazit

Diese systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse liefert erste Hinweise auf einen möglichen protektiven Effekt der mediterranen Ernährung gegen Multiple Sklerose. Mit einer um über 70 Prozent reduzierten Erkrankungswahrscheinlichkeit bei hoher Diät-Adhärenz ist der beobachtete Effekt durchaus beachtlich. Jedoch mahnen die methodischen Limitationen – geringe Studienzahl, widersprüchliche Ergebnisse zwischen Studientypen und hohes Bias-Risiko – zur Vorsicht bei der Interpretation.

Die mediterrane Ernährung bleibt dennoch eine empfehlenswerte Ernährungsform aufgrund ihrer gut dokumentierten positiven Effekte auf die allgemeine Gesundheit. Ob sie tatsächlich vor MS schützt, werden erst zukünftige, methodisch robustere Studien zeigen können. Bis dahin gilt: Eine ausgewogene, pflanzenreiche Ernährung ist nie verkehrt – als Teil eines insgesamt gesunden Lebensstils.

Häufige Fragen

Sollte ich meine Ernährung sofort auf mediterrane Kost umstellen, um MS zu vermeiden?

Eine sofortige radikale Ernährungsumstellung ist weder notwendig noch empfehlenswert. Die vorliegende Studie zeigt zwar interessante Zusammenhänge, aber die wissenschaftliche Evidenz ist noch nicht stark genug für definitive Empfehlungen zur MS-Prävention. Sinnvoller ist eine schrittweise Integration mediterraner Ernährungsprinzipien in den Alltag. Beginnen Sie beispielsweise damit, Olivenöl statt Butter zu verwenden, mehr Fisch und weniger rotes Fleisch zu essen, oder täglich eine Portion Nüsse zu sich zu nehmen. Diese Veränderungen bringen nachweislich gesundheitliche Vorteile, unabhängig von möglichen MS-Effekten.

Ich habe bereits MS – kann die mediterrane Ernährung meinen Krankheitsverlauf beeinflussen?

Die vorliegende Studie untersuchte nur die Entstehung von MS, nicht den Verlauf bereits bestehender Erkrankungen. Es gibt separate Forschung zu Ernährungseffekten bei bereits diagnostizierter MS, aber die Evidenz ist noch begrenzt. Generell ist die mediterrane Ernährung auch für MS-Patienten gesund und kann bei der Gewichtskontrolle helfen sowie Begleiterkrankungen vorbeugen. Sprechen Sie jedoch unbedingt mit Ihrem Neurologen, bevor Sie größere Ernährungsumstellungen vornehmen. Manche Nahrungsergänzungsmittel können mit MS-Medikamenten interagieren, und eine ausgewogene Ernährung sollte nie die ärztlich verordnete Therapie ersetzen.

Welche Bestandteile der mediterranen Ernährung sind besonders wichtig?

Die mediterrane Ernährung ist ein Gesamtkonzept, und wahrscheinlich wirkt die Kombination verschiedener Komponenten synergistisch. Besonders charakteristisch sind: hochwertiges Olivenöl als Hauptfettquelle, reichlich Gemüse und Obst (mindestens fünf Portionen täglich), Vollkornprodukte statt raffinierter Getreideprodukte, regelmäßiger Fischkonsum (2-3 mal wöchentlich), Nüsse und Hülsenfrüchte, moderater Konsum von Milchprodukten und wenig rotes Fleisch. Wichtig ist auch die Frische der Zutaten und schonende Zubereitungsmethoden. Der moderate Weinkonsum ist optional und nicht für alle Menschen geeignet.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse dieser Studie wirklich?

Die Studie zeigt interessante Trends, hat aber erhebliche methodische Limitationen. Mit nur acht eingeschlossenen Studien ist die Datenbasis noch schmal. Besonders problematisch ist, dass die methodisch überlegenen Kohortenstudien keine Schutzeffekte fanden, während nur die anfälligeren Fall-Kontroll-Studien positive Ergebnisse zeigten. Dies könnte auf Verzerrungen hindeuten, etwa dass Menschen mit MS ihre vergangene Ernährung anders bewerten als gesunde Kontrollpersonen. Die Wissenschaft ist hier noch nicht am Ende – wir brauchen größere, längere und methodisch bessere Studien für definitive Aussagen. Die Ergebnisse sind ein interessanter erster Hinweis, aber kein Beweis für einen kausalen Zusammenhang.

Gibt es andere Ernährungsformen, die vor MS schützen könnten?

Die mediterrane Ernährung ist die am besten untersuchte Ernährungsform in Bezug auf MS-Prävention, aber es gibt Forschung zu anderen Ansätzen. Diskutiert werden vitamin-D-reiche Ernährung, omega-3-reiche Kost, oder entzündungshemmende Diäten generell. Einige Studien untersuchten auch vegane oder vegetarische Ernährung, aber die Evidenz ist noch begrenzter als bei der mediterranen Diät. Wichtig ist: Keine Ernährungsform allein kann MS verhindern oder heilen. Die Erkrankung hat komplexe genetische und umweltbedingte Ursachen. Eine generell gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist vermutlich wichtiger als die Fixierung auf eine spezifische Diätform.

Quelle

Diese Zusammenfassung basiert auf: Association between Mediterranean Diet and Development of Multiple Sclerosis: A Systematic Review and Meta-Analysis., veröffentlicht in Brain and behavior (2026).

→ Originalstudie auf PubMed (PMID: 41612786)